Warum immer mehr Cyberversicherer ein Multi-Faktor-Authentifizierungs-Konzept (MFA) voraussetzen – und weshalb eine einzelne MFA-Lösung oft nicht ausreicht

Cyberversicherung und IT-Sicherheit wachsen immer stärker zusammen

Cyberversicherer haben ihre Annahmerichtlinien in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Während früher häufig bereits ein aktueller Virenscanner und eine Firewall als ausreichende Mindestanforderung galten, gehört heute die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu den wichtigsten Sicherheitsvoraussetzungen für den Abschluss einer leistungsstarken Cyberversicherung. Doch viele Unternehmen unterschätzen, was Versicherer unter einer wirksamen MFA-Strategie tatsächlich verstehen.

Aus Sicht eines Versicherers ist MFA keine technische Spielerei, sondern eine der effektivsten Maßnahmen zur Verhinderung erfolgreicher Cyberangriffe. Untersuchungen zahlreicher Sicherheitsbehörden zeigen seit Jahren, dass ein Großteil aller erfolgreichen Angriffe mit kompromittierten Zugangsdaten beginnt. Gelangen Benutzername und Passwort durch Phishing, Datenlecks oder Schadsoftware in die Hände von Cyberkriminellen, stellt eine zusätzliche Authentifizierung häufig die letzte wirksame Sicherheitsbarriere dar.

MFA bedeutet mehr als nur den Schutz von Microsoft 365

In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder ein Missverständnis: Viele Unternehmen aktivieren MFA ausschließlich für Microsoft 365 oder den VPN-Zugang und gehen davon aus, damit sämtliche Anforderungen erfüllt zu haben. Tatsächlich betrachten Cyberversicherer inzwischen das gesamte Unternehmen. Entscheidend ist nicht, ob MFA eingesetzt wird, sondern wo sie implementiert wurde.

Administrator-Konten stehen besonders im Fokus der Versicherer

Besonders kritisch sind privilegierte Benutzerkonten mit administrativen Rechten. Diese Konten ermöglichen oftmals den Zugriff auf Server, Firewalls, Backups oder Cloud-Infrastrukturen. Werden Administrator-Zugänge kompromittiert, können Angreifer innerhalb weniger Minuten Sicherheitsmechanismen deaktivieren, Backups löschen oder komplette Netzwerke verschlüsseln. Aus diesem Grund verlangen viele Versicherer inzwischen ausdrücklich eine MFA-Absicherung sämtlicher Administrator-Konten.

Remote-Zugänge zählen zu den größten Einfallstoren

Ebenso rücken Remote-Zugänge immer stärker in den Fokus. Ob VPN, Remote Desktop Protocol (RDP), Fernwartungssoftware oder Cloud-Portale – jeder externe Zugriff stellt ein potenzielles Einfallstor dar. Fehlt hier eine wirksame Mehrfaktor-Authentifizierung, erhöht sich das Schadenrisiko erheblich. Einige Versicherer schließen solche Risiken mittlerweile sogar vom Versicherungsschutz aus oder versehen ihre Policen mit entsprechenden Obliegenheiten.

Auch Backup-Systeme müssen wirksam geschützt werden

Ein weiterer Punkt betrifft die Datensicherung. Moderne Ransomware-Gruppen greifen gezielt Backup-Systeme an, bevor sie eigentliche Verschlüsselungsangriffe starten. Können Angreifer Backups löschen oder manipulieren, steigt der wirtschaftliche Schaden erheblich. Deshalb erwarten viele Versicherer inzwischen auch einen MFA-geschützten Zugriff auf Backup-Management-Systeme sowie eine Trennung administrativer Berechtigungen.

Was Unternehmen daraus ableiten sollten

Für Unternehmen bedeutet dies, dass Cyberversicherung und IT-Sicherheit heute enger miteinander verbunden sind als jemals zuvor. Die Versicherer möchten nicht kontrollieren oder technische Vorgaben machen, sondern das Eintrittsrisiko kalkulierbar halten. Wer grundlegende Sicherheitsmaßnahmen konsequent umsetzt, reduziert nicht nur die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Angriffs, sondern profitiert häufig auch von besseren Versicherungsbedingungen und einer größeren Auswahl leistungsstarker Versicherer.

Die Empfehlung eines spezialisierten Cyberversicherungsmaklers

Aus Sicht eines spezialisierten Cyberversicherungsmaklers empfiehlt sich daher eine regelmäßige Überprüfung der vorhandenen MFA-Strategie. Nicht entscheidend ist die Anzahl der eingesetzten Authentifizierungsverfahren, sondern deren konsequente Umsetzung an allen sicherheitskritischen Stellen. Eine gut durchdachte MFA-Architektur verbessert die IT-Sicherheit nachhaltig und erhöht gleichzeitig die Versicherbarkeit des Unternehmens.

Fazit: MFA ist heute ein entscheidender Baustein der Versicherbarkeit

Die Erfahrung aus der täglichen Beratung zeigt eindeutig: Cyberversicherungen entwickeln sich zunehmend von einer reinen Finanzabsicherung zu einem Instrument des professionellen Risikomanagements. Unternehmen, die Sicherheitsmaßnahmen wie Multi-Faktor-Authentifizierung frühzeitig und umfassend implementieren, erfüllen nicht nur die Erwartungen moderner Versicherer, sondern schaffen zugleich eine der wirksamsten Verteidigungslinien gegen die aktuell häufigsten Angriffsformen.

Experten-Tipp: Lassen Sie Ihre IT-Infrastruktur nicht nur technisch, sondern auch aus Sicht der Cyberversicherer überprüfen. In vielen Ausschreibungen scheitert ein Versicherungsschutz nicht an der Unternehmensgröße, sondern an wenigen, vermeidbaren Sicherheitslücken – insbesondere bei der Multi-Faktor-Authentifizierung.